Title (deu)

BEM 9 - Komponieren im 21. Jahrhundert - Texte 1993-99

Author

Sandeep Bhagwati

Description

In these six essays, composer Sandeep Bhagwati explores different issues related to the state of music aesthetics and composition at the end of this millenium.

„Fugen und Fluchten" (Fugues and Flights) is in itself a literary fugue: Bhagwati parallels feelings of the hunted, their breathlessness and despair, with aspects of classical and contemporary polyphonic compositional technique.

„Musik - eine Weltsprache?" („Music - an universal language?") is a polemic attack on the inadequate ways the general public as well as elite musical circles deal with the phenomeon called „world music" and proposes a new set of questions for a multicultural aesthetic: „What is listening" What modes of listening can be discerned, what do they accentuate, what escapes their attention? What happens when different modes of listening clash? Who listens to which musical thruths, in what context?

„Ritual Virility Machine" (a wordplay on „Virtual Reality") is a text written together with an orchestra piece of the same title, first performed in 1998 by the Munich Philharmonic Orchestra. The text casts a puzzled look at men who acutally have started building those machines that ulitmately will replace them. An amused look at cybersex.

„Oper ist Subkultur" (Opera is Subculture") defines contemporary opera as the most probable form of aesthtetic renewal for the future of music and art - at the same time, this implies that opera needs to become a form of subculture. Only then can it develop its subversive potential.

„Wahrheit für Komponisten" (Truth for Composers) rejects the idea that truth can be found in the static analysis of musical scores. Instead, composers should aim not for ultimate, but for fluid, ephemeral, emergent and contingent truth.

„Komponieren im 21. Jahrhundert" (Composing in the 21st century) diagnoses a crisis in contemporary composing and attributes it to three different factors: the disappearance of technial frontiers, the permeability of culturally defined aesthetic borders, the challenge ot the computer to the concept of composing itself. It proposes several fields of compositorial research: exploring the ups and downs of perceptual complexity in music throughout history, replacing the inadequate dependence on issues of authenicity and identity by a new aesthetics of the diverse, of mixtures and boundary clashes, and finally, by re-defining the actual idea of what a composer does - away from the cult of the genius towards a processual, dialogical understanding of emerging new music.

In den vorliegenden sechs Aufsätzen beschäftigt sich der Komponist Sandeep Bhagwati mit verschiedenen Fragen der Musikästhetik und der Komposition am Ende dieses Jahrtausends.

„Fugen und Fluchten" ist selbst eine literarische Fuge. Der Autor zieht Parallelen zwischen den Gefühlen eines Gejagten, dessen Atemlosigkeit und Verzweiflung, und Aspekten klassischer und zeitgenössischer polyphoner Kompositonstechniken.

„Musik - eine Weltsprache?" ist ein polemischer Angriff auf die unzulängliche Art, mit der sowohl die allgemeine Öffentlichkeit als auch elitäre Musikerkreise mit dem Phänomen „Weltmusik" umgehen. Bhagwati schlägt neue Fragen für eine multikulturelle Ästhetik vor: Was ist Zuhören? Welche Arten des Zuhörens gibt es, worauf legen sie Wert, was entgeht ihrer Aufmerksamkeit? Was geschieht, wenn verschiedene Arten des Zuhörens aufeinanderprallen? Wer hört welchen musikalischen Wahrheiten zu, in welchem Zusammenhang?

„Ritual Virility Machine" (ein Wortspiel mit „Virtual Reality") ist ein Text, der gleichzeitig mit einem Orchesterwerk gleichen Titels geschrieben wurde, das 1998 vom Münchner Philharmonischen Orchester uraufgeführt wurde. Der Text wirft einen etwas verblüfften Blick auf Männer, die gerade beginnen Maschinen zu bauen, die sie letzendlich ersetzen werden: eine vergnügte Betrachtung über Cybersex.

„Oper ist Subkultur" definiert zeitgenössische Oper als wahrscheinlichsten Ausgangspunkt einer ästhetischen Erneuerung für die Zukunft von Musik und Kunst. Das schließt allerdings mit ein, dass Oper eine Form von Subkultur werden muss, um ihr subversives Potential entwickeln zu können.

„Wahrheit für Komponisten" stellt sich gegen die Idee, dass Wahrheit aus der statischen Analyse festgeschriebener Partituren gefunden werden kann. Vielmehr sollten Komponisten nicht das Endgültige, sondern die flüchtige, emergente Wahrheit suchen.

„Komponieren im 21. Jahrhundert" diagnostiziert eine Krise im zeitgenössischen Komponieren und führt diese auf drei Faktoren zurück: das Verschwinden von Grenzen des technisch Machbaren (frontier), die Durchlässigkeit von kulturell definierten ästhetischen Grenzen (border) und die Herausforderung durch den Computer für das Konzept des Komponierens selbst.

Der Text schlägt mehrere Ansatzpunkte der kompositorischer Forschung vor. Einerseits die Untersuchung von Anstiegen und Abnahmen der perzeptiven Komplexität von Musik durch die Geschichte, andererseits die Ersetzung der inadäquaten Abhängigkeit von Begriffen wie Authentizität und Identität durch eine neue Ästhetik der Vielfalt, Mischung und Grenzüberschreitung, durch eine Neudefinition der Arbeit des Komponisten, weg vom Geniekult, hin zu einem prozessualen, dialogischen Verständnis der Entstehung neuer Musik.

Object languages

German

Rights

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o:95521 Beiträge zur Elektronischen Musik